Το πρόβλημα των γενικών εννοιών και ο Εννοιολογικός Ρεαλισμός των Βυζαντινών

 

This item is provided by the institution :
Academy of Athens

Repository :
Research Centre for Greek Philosophy

see the original item page
in the repository's web site and access all digital files of the item*
use
the file or the thumbnail according to the license:
CC BY-NC-SA 4.0

Attribution-NonCommercial-ShareAlike
share






Το πρόβλημα των γενικών εννοιών και ο Εννοιολογικός Ρεαλισμός των Βυζαντινών

Μπενάκης, Λίνος Γ.

Hinsichtlich des Problems der Substanz vollzieht sich nach Aristoteles Tod schon innerhalb seiner eigenen Schule eine Verschiebung von der metaphysischen Problematik zu den Problemen, welche das einleitende Werk des "Organon", die Kategorien, stellt. In der Spätantike und besonders von den Nachfolgern Plotins wurden die Kategorien immer wieder kommentiert und interpretiert. Gerade im Bereich der Problematik der allgemeinen Begriffe ist der Einfluß Piatons auf das Denken der neuplatonischen Kommentatoren des Aristoteles sehr deutlich. Die neue Interpretation reicht bis zur Umstellung des Verhältnisses von "erster" zu "zweiter Substanz"; das Primat hat jetzt die "zweite Substanz", das Noetische oder die allgemeine Wesenheit, weil sie nicht nur bewußtseinsunabhängige Realität, sondern sogar eine wirklichere Wirklichkeit als die materiellen Dingen besitzt. Dazu deckt sich auch diese Wesenheit weitaus mit der platonischen Idee. Durch die berühmte Isagoge des Porphyrios, welche sehr früh ins Lateinische übersetzt und kommentiert worden ist (Boethius), ist die Substanz-Problematik auf Grund ihrer logischen Erörterung auch im Westen bekanntgeworden, und so ist die Bedeutung zu erklären, welche diese Problematik während des ganzen Mittelalters hatte. Der bekannte Universalien- Streit wurzelt gerade in diesem geschichtlichen Verlauf der betreffenden Probleme. Zwischen den entgegengesetzten Positionen des Realismus und des Nominalismus, allerdings näher zu einem gemäßigten Realismus hin, hat sich später eine neue Lösung entwickelt, welche einen Kompromiß zwischen den drei möglichen Antworten zum Problem der Erscheinungsweise des Allgemeinen bedeutet; jetzt heißt es "universalia ante res (in deo) e t in rebus (in mundo) e t post res (in intellectu)". (Hauptvertreter dieser Lehre im Westen ist Abaelard gewesen, sehr wahrscheinlich beeinflußt von Avicenna, der eigentlich als Zwischenglied zwischen den Griechen und Abaelard betrachtet werden muß; spätere Befürworter jener Lösung sind Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Duns Scotus). Nun wissen wir heute viel besser—nicht zuletzt durch eine beachtenswerte Arbeit von Kl. Kremer (1961/62) über den Wirklichkeitscharakter des Intelligiblen, den die Ammonios (Hermeiou) - Schule vertreten hat—, daß der Ausgangspunkt dieser Kompromißlösung in der Lehre der Alexandrini sehen Kommentatoren der Ammonios-Schule (Philoponos, Asklepios, Olympiodoros, Elias, David) liegt. Hinsichtlich des Problems der allgemeinen Begriffe ist diese Lehre als Begriffsrealismus aufzufassen. Die Erörterung der diesbezüglichen Probleme und die obige Schlußfolgerung bilden den 1. Teil des Aufsatzes, S. 311-326. (Die Vorgeschichte des Universalienstreites sowie die modernen Lösungstendenzen hierzu werden in Anmerkungen lediglich angedeutet). Der alexandrinische Zweig des Neupiatonismus weist, wie bekannt, einen schwächeren Einfluß von neuplatonischen Gedanken in der Kommen- tierungsarbeit zu Aristoteles auf und bildet dadurch eine der bedeutendsten Brücken zwischen heidnischer und christlicher Philosophie. Der originellen Tradition der alexandrinisehen Kommentatoren in der Problematik des Allgemeinen und die eingeschlagenen Lösungen folgten fast ausnahmslos die byzantinischen Philosophen, soweit sie sich mit dem Problem beschäftigt und darüber geschrieben haben. Die diesbezügliche Texte des Photios (t 893), Ioannes Italos (f 1085), Eustratios von Nikaia (f 1120), Nikephoros Blem- mydes (| 1272) und Nikephoros Choumnos (f 1327), aber auch die Werke der Kommentatoren der Ammonios-Schule in diesem Zusammenhang—im Gegenteil zu der gründlichen Erschließung der mittelalterlichen Universalien- Problematik im Westen— sind sehr unzureichend erforscht. Teil 2. des Aufsatzes befaßt sich mit der Auslegung der ergründeten Texte der byzantinischen Philosophen in Verbindung mit der Lehre der alexandrini sehen Kommentatoren insbesondere über die dreifache Erscheinungsweise des Allgemeinen: τα καθόλου προ των πολλών – εν τοίς πολλοίς – επί τοίς πολλοίς. Dabei erweist sich die Annahme, daß der Nominalismus auch in Byzanz seine Vertreter hatte, als unbergründet. Diese Behauptung stützt sich hauptsächlich auf die Mißdeutung des neuen Terminus επί τοίς πολλοίς (in Zusammenhang mit der Definition εννοηματικά και υστερογενή τα καθόλου; bei Blemmydes sogar: τουτέστιν μετά τα πολλά και υστερογενώς). Επί τοίς πολλοίς ist aber nicht mit post res zu identifizieren; vielmehr ergänzt dieser Terminus den allgemein bekannten Terminus εν τοίς πολλοίς, der bei Aristoteles die Untrennbarkeit von Formen und Sinnendingen ausdrückt. Επί τοίς πολλοίς bedeutet, daß die allgemeine Begriffe (τα καθόλου) wesenhafte Bestimmungen für vieles sind, welche nur vom Verstand durch Abstraktion von den Einzeldingen abgetrennt werden; sie entsprechen also der "zweiten Substanz" des Aristoteles, denn diese—wie bei Eustratios von Nikaia zu lesen ist— δευτέρως έχει το είναι και ύστερον, ως πόρρω των καθ’ έκαστα. Gesondert wird also den KaööXou kein wahrhaftes Sein und keine Existenz zugesprochen; sie sind weder προ των πολλών (im Sinne der platonischen Ideen) noch μετά τα πολλά (in dem Sinne, daß das All-gemeine schlechthin nur ψιλή επινοία εστίν, d.i. nur ein "esse in mente" besitzt). Zur Definition υστερογενή τα καθόλου ist zu bemerken, daß diese nicht nur wegen der nachträglichen noetischen Erkennbarkeit der allgemeinen Begriffe im Bereich der sinnlichen Vielheit (ύστερον επινενοημένα και επί τοις πολλοίς) folgerichtig ist, sondern auch deshalb, weil das Allgemeine später ist als die schöpferischen Bestimmungen und Vorbilder des Sinn-lichen, nämlich die ideelen Wesenheiten (die Ideen) im Nous des Demiurgen am Anfang der Schöpfung. Die bekannte spätantike Transformation der platonischen Ideen in Gedanken Gottes, welche vom christlichen Denken durchaus akzeptiert wurde, diente zu dieser Auffassung vorzüglich den byzantinischen Philosophen. (Zur Problematik der Ideen in der Byzantinischen Philosophie siehe meine früheren Arbeiten über die Schriften des Nikephoros Choumnos (Über die Materie und die Ideen) und des Michael Psellos (Über die Ideen, die Piaton lehrt) in «Φιλοσοφία» 3/1973, 339-81 und 5-6/1975-76 393-423).

Επετηρίδα

Ιστορία της Φιλοσοφίας
Ρεαλισμός


1978-1979

Text

German
Greek



*Institutions are responsible for keeping their URLs functional (digital file, item page in repository site)