Νικηφόρου Χούμνου, Περί της ύλης και των ιδεών. Εισαγωγή, κριτική έκδοση και νεοελληνική μετάφραση

 

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1973 (EN)
Νικηφόρου Χούμνου, Περί της ύλης και των ιδεών. Εισαγωγή, κριτική έκδοση και νεοελληνική μετάφραση

Μπενάκης , Λίνος Γ.

Der vollständige Titel der Schrift des Nikephoros Choumnos (1250- 1327), die jetzt auf Grund des wahrscheinlich ältesten und jedenfalls vollständigsten Cod. Metochii Sancti Sepulcri (Constantinopol.) 276 und zwei weiteren Handschriften kritisch ediert wird, lautet: Daß weder die Materie vor den Körpern noch die Form gesondert von ihnen existieren, sondern daß sie zusammengehören. Schon der erste Herausgeber, J. Fr. Boissonade (Paris 1844), erwähnte argumenti praestantiam des Werkes, weswegen er es auch aus den unedierten Schriften des Choumnos zum Druck auswählte, und B. Tatakis, La philosophie byzantine (Paris 1949), stützte sich bei seiner Bewertung des byzantinischen Philosophen hauptsächlich darauf. In der Einleitung zur vorliegenden Edition wird noch die Behandlung des Traktats bei J. Verpeaux, Nieephore Choumnos. Homme d'Etat et humaniste byzantin (Paris 1959), kritisch berücksichtigt, wobei u.a. folgende Ansichten abgelehnt werden: daß Choumnos' Ausführungen enge Verwandtschaft mit den Positionen des Chalcidius aufweisen, daß zwischen Ch. und Nikephoros Blemmydes aufschlußreiche Analogien in der Behandlung der Probleme bestehen, und vor allem, daß die Grundposition des Ch. über das Allgemeine und das Einzelne die Position eines Nominalisten ist. Die Probleme, die der byzantinische Philosoph hier im Anschluß an die antike und mittelalterliche Tradition eingehend behandelt, führen ihn zu Lösungen, die im Einklang mit seiner christlichen Metaphysik stehen. Dadurch erklärt sich Choumnos' entschiedene Ablehnung der platonischen Substrats- und Ideenlehre sowie seine Kritik an der aristotelischen Prinzipienlehre, besonders jene über die Ewigkeit einer unerschaffenen Materie. Seine Hauptthesen sind folgende: Wie die Welt im ganzen eine Schöpfung Gottes ist, so ist auch die Materie vom Demiurg aus dem Nichts erschaffen; sie existiert also weder vor der Körperwelt noch von den Formen gesondert, mit denen sie «am Anfang» gleichzeitig und als die beste Schöpfung des göttlichen Willens hervorgebracht wurde. Diese Schöpfung der geformten Materie ist eine kontinuierliche; insofern und nur insofern kann man von der Ewigkeit der Formen sprechen. Jede Art von Selbständigkeit der Ideen wird verworfen. Die Ideen sind nicht selbständige «Paradigmen» außerhalb der schöpferischen Urkraft; sie haben weder eine Existenz außer der dinglichen Welt noch stellen sie die ewigen und wahrhaften Wesenheiten dar, deren Abbilder die sinnlichen Dinge sind; ihr wahres Verhältnis zur Körperwelt besteht vielmehr darin, daß aus jeder Urform eine sich nie erschöpfende Reihe von Seiendem stammt, welche —immer und ohne die geringste Differenzierung— dieselben Wesensmerkmale mit sich bringt. Diese Wesensmerkmale stellen die schöpferische Kraft, d.h. den Logos der Dinge dar und werden als die allgemeinen Formen vom erkennenden Geist festgestellt, nachdem sie an vielen ähnlichen seienden Dingen wiedererkannt wurden. In der Materie-Problematik, insbesondere in der Verwerfung jeder Lehre von der Schöpfung aus einer ungewordenen Materie, folgt Choumnos der patristischen und der übrigen byzantinischen Tradition. Von besonderem Interesse ist dabei, daß er die Lehre von der ungewordenen Materie ausdrücklich auf Piaton zurückführt, was in dieser Tradition nicht die Regel ist. Im übrigen vertritt Choumnos eher die aristotelischen Positionen von den Korrelationsbegriffen Materie und Form, welche losgelöst voneinander kein wirkliches Dasein besitzen. Zum Schöpfungsbegriff ist noch zu bemerken, daß bei Choumnos die gleichzeitige unmittelbare Schöpfung der Materie und der Form stets auf den göttlichen Willen bezogen wird (ευθύς άμα τω βουλήματι, λόγω μόνω άμα τω βουλήματι etc.), wobei auch das Moment des allgütigen Demiurgen (ότι αγαθός διά τούτο και δημιουργός) und seiner Selbstgenügsamkeit (απροσδεής και χρεία τούτω των δημιουργημάτων ουδενός) hervorgehoben wird. Damit ist auch die ausdrückliche Verwerfung des Exemplarismus (der Demiurg benötigt keine Urbilder, προς παράδειγμα βλέπων ουδέν ουδ' iδέαν ουδεμίαν) verbunden. Der zweite Teil des Traktats (V. 182-316) ist nach der philosophischen Intention des Verfassers der wichtigste. Hier bekämpft Choumnos eingehend die platonische Ideenlehre, namentlich die Selbständigkeit der Ideen, die Existenz von Ideen vor den geformten Einzeldingen, den SeinsVorrang der Ideen (daß die Ideen das wahrhaftige und eigentliche Sein repräsentieren). Die Beweisführung stützt sich auf die Unmöglichkeit der Existenz von Ideen der Akzidenzien, von ewigen Ideen für vergängliche Einzeldinge, von einer Idee für viele ähnliche Dinge etc. In seiner Schlußfolgerung spricht Choumnos von der «anfänglichen und ersten Form» (τo εξ αρχής και πρώτον είδος), welche (als der schöpferische Logos) vom Demiurg am Anfang der Schöpfung und vorbildlich für jede weitere Hervorbringung die Kraft der Erzeugung stets gleich und ohne jede Differenzierung geformter Einzelwesen mit sich bringt. Dabei wird die Schöpfung als kontinuierliche aufgefaßt. So ist die Idee des Menschen der erste Mensch, aus Materie und Form gleichzeitig erzeugt; er ist seiner Natur, d.i. seinem schöpferischen Logos nach vom Anfang und für immer dazu bestimmt, Lebewesen mit den gleichen Wesensmerkmalen wie er zu erzeugen. Danach fällt bei Ch. die Form mit der Definition der Dinge (ihrem Logos) zusammen (είδος δ γε και ό λόγος ορίζεται), denn von der Form kann man nur dann sprechen, wenn man das Einzelding definiert, und nur so hat eine Seinsdefinition Geltung (σέσωσται) sowohl für die allgemeine Form wie auch für die gleichartigen Einzeldinge, und nur in diesem Sinne sind die Formen «unvergänglich». Konsequenterweise können bei Choumnos die Formen nur nachträglich vom Nous erkannt werden (ύστερον επινενοημένον), indem sie von erkennenden Subjekt induktiv—auf Grund der gemeinsamen generellen Prädikate, die es an den einzelnen Objekten wahrnimmt— festgestellt werden (εξ επαγωγής επί πάντα ιόντες ... ο δη εύρομεν ταυτόν ... τούτ' είδος έγνωμεν). Damit ist auch die Frage nach dem Seinsgrund der Allgemeinbegriffe gestellt; insofern kann Choumnos' Position nur als die eines gemäßigten Realisten bezeichnet werden. Im Sinne der aristotelischen Untrennbarkeit von Formen und Sinnesdinom sind die Formen als wesenhafte Bestimmungen für Vieles nur vom Verstand durch Abstraktion von den Einzeldingen abtrennbar; ihnen wird also kein wahrhaftes Sein und keine gesonderte Existenz zugesprochen (χωρίς μη τι γε μηδαμώς είναι δεδυνημένον το είδος). Sie sind weder προ των μορίων (im Sinne der platonischen Ideen) noch μετά τα μόρια (in dem Sinne, daß die Allgemeinbegriffe schlechthin nur ein «esse in mente» besitzen). In der vorliegenden Einleitung zu Nikephoros Choumnos' Traktat Über die Materie und die Ideen wird schließlich das Universalienproblem in der byzantinischen philosophischen Tradition angeschnitten und die These vertreten, daß die Byzantiner in der Fragestellung und der Terminologie besonders an die Schule des Ammonios Hermeiou anknüpften und daß es voreilig sein dürfte angesichts der fehlenden Spezialuntersuchungen gewisse byzantinische Denker als Nominalisten zu bezeichnen.

Επετηρίδα

Ιδέες
Ιστορία της Φιλοσοφίας
Ύλη
Νικηφόρος Χούμνος


1973

Text

German
Greek



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