Από την ιστορία του μεταβυζαντινού Αριστοτελισμού στον ελληνικό χώρο. Αμφισβήτηση και υπεράσπιση του φιλοσόφου στον 18ο αιώνα. Νικόλαος Ζερζούλης - Δωρόθεος Λέσβιος

 

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1977 (EN)
Από την ιστορία του μεταβυζαντινού Αριστοτελισμού στον ελληνικό χώρο. Αμφισβήτηση και υπεράσπιση του φιλοσόφου στον 18ο αιώνα. Νικόλαος Ζερζούλης - Δωρόθεος Λέσβιος

Μπενάκης, Λίνος Γ.

Im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung über die aristotelische Tradition im griechischen Raum von der nachbyzantinischen Zeit bis zur Befreiung Griechenlands (17.-18. Jahrhundert), welche als Beitrag zum Aristoteles-Jahr 1978 erscheinen soll, werden bisher unedierte Texte vorgelegt, namentlich solche eines philosophischen Disputs zwischen zwei wenig bekannten, obwohl bedeutenden Philosophielehrern und Autoren über aristotelische Thesen. Die Kontrahenten sind Dorotheos von Mitylene († 1770) und der aus Metsovo in Epirus stammende Nikolaos Zer- zouli s († ca. 1773). Ersterer ist der langjährige Philosophielehrer und Direktor der Aka¬demie des Patriarchats zu Konstantinopel (1721-26, 1726-32, 1748-59), der ein großes Ansehen bei seinen Zeitgenossen und in den späteren Jahrzehnten genoß (siehe z.B. die Erwähnung bei Lord Byron, Childe Harold΄s Pilgrimage, 1811). Er ist einer der letzten Vertreter der traditionelen Philosophie, einer philosophischen Schulung, welche hauptsächlich auf die Autorität der aristotelischen Lehren sowohl in der Logik als auch in der Physik zurückging («αριστοτελοσχολαστική φιλοσοφία»). Seine Werke — alle nur handschriftlich erhalten — sind fast ausschließlich Streitschriften zur Verteidigung aristotelischer Lehren gegen die «modernisierenden» (veooxs- piKoi) Philosophen. Hier einige Titel: «Über die Insekten, nämlich daß sie nicht aus Samen, wie die Modernen meinen, sondern nach Aristoteles durch Verwesung entstehen», «Über die Prinzipien nach Aristoteles und nach Demokrit» (Demokrit galt als Gewährsmann der Modernen), «Die Paradoxien der neueren Philosophen» (hauptsächlich gerichtet gegen Newton und seinen Übersetzer, d.i. Nikolaos Zerzoulis), «Aporien über die Bewegung der Erde nach den Pythagoreern und nach Kopernikos», schließlich die Streitschrift gegen Zerzoulis über das Schwere und das Leichte (eine Verteidigung des absolut Leichten nach Aristoteles). Nikolaos Zerzoulis studierte Philosophie, Mathematik und Medizin in Italien (1751 - 55), lehrte in verschiedenen Schulen Nordgriechenlands, war Direktor der «Athonias Akademie», dann nur kurze Zeit der Akademie zu Konstantinopel und schließlich der Akademie zu Jasy (1766 -72/73). Hauptsächlich in Jasy hat er eine Reihe von bedeutenden Werken der modernen Wissenschaft übersetzt, so vor allem die «Prinzipien» Newtons, die «Experimentelle Physik» des Holländers P. van Musschenbroek, die «Arithmetik», «Geometrie» und «Trigonometrie» Christian Wolffs sowie Werke Fr. Baumeisters. Von diesen Übersetzungen sind leider nur die der mathematischen Schriften Wolffs erhalten. Ihnen geht jeweils eine Einleitung Zerzoulis΄ voraus. Die hier erstmals präsentierte Schrift Zerzoulis΄ über das Schwere und das Leichte gibt uns als einziges erhaltenes Beispiel seiner bedeutenden philosophischen Bildung trotz der Tatsache, daß es aus einer frühen Zeit, d.i. vor dem Studium in Italien stammt, ein wichtiges Dokument des neuen Geistes an die Hand, welcher sich seit den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts allmählich im griechischen Raum durchsetzt (Belege dafür in Absatz 3 des Aufsatzes) um schließlich mit der nächsten Generation der philosophisch geschulten Gelehrten die neugriechische Aufklärung zu bilden. Im Mittelpunkt des erwähnten Disputs (zeitlich anzusetzen zwischen 1740- 45) steht der Begriff der Schwere, namentlich die aristotelische Lehre vom Feuer als dem absolut Leichten und die Gegenposition der Modernen, daß auch das Feuer eine Schwere hat, und zwar eine solche, die der Materie des Feuers analog ist. In seiner etwa 50 Hand Schriften Seiten umfassenden Schrift vertritt Zer-zoulis die Auffassung der Modernen. Durch eine Reihe einleuchtender Argumente versucht er einerseits die «peripatetisehen» Thesen zu erschüttern, andererseits die Überlegenheit der Lehre der Vertreter der—modernen—Wis¬senschaft (ausdrücklich ist nur Newton genannt) und Philosophie «in der ganzen Welt» zu zeigen. Die Modernen folgen im Grunde Demokrit, der ebenso wie Aristoteles «einer von den unsrigen großen Griechen gewesen» sei (Έλλην ημέτερος παλαιότατος και Ελλήνων λαμπρότατος). Bemerkenswert ist, daß Zerzoulis seinen Gegnern des öfteren vorwirft, Aristoteles als der einzigen, sogar über der christlichen Lehre stehenden Autorität blind gefolgt zu sein und ihn dabei sehr oft mißverstanden zu haben — er betont zugleich sein gründliches Studium der aristotelischen Schriften und der zahlreichen Kommentare zu Aristoteles—, im ganzen mit den Texten des Aristoteles nur oberflächlich umgegangen zu sein und vor allem von Mathematik nichts verstanden zu haben. Was die Argumentation selbst betrifft, so ist folgendes hervorzuheben. Zerzoulis legt Wert darauf, daß das Leichte des Feuers kein Axiom ist, weil es eines Beweises bedarf; so auch bei Aristoteles. Seine Kritik an Aristoteles trifft vor allem dessen Auffassung von den Qualitäten. Die Worte (λέξεις φωναί) entsprechen Dingen, welche in der realen Welt existieren. Sie stellen deren «Idee» dar und kennzeichnen sie. Nur von den Dingen her erhalten sie ihren Wert. Das Wahrnehmbare ist die Schwere, während das Leichte deren Abwesenheit ist. So ist das Leichte ein Nichtseien- des, nicht jedoch im Sinne des Entgegengesetzten, sondern der Privation. Daraus ergibt sich, daß es bei allen Körpern jeweils eine ihrem Gewicht zntsprechende Schwere gibt. Bei einer solchen Auffassung werden alle Naturgesetze aufrechterhalten. (In diesem Zusammenhang ist interessant festzuhalten, daß die «empirische» Formel von der Schwere der Dinge auf der Erde im Verhältnis zu ihrer Schwere auf dem Mond, welche Zerzoulis eher um seinen Gegnern zu imponieren erwähnt als deswegen, weil sie hier von Bedeutung ist, zahlenmäßig nicht sehr von der heute astronomisch berechenbaren Zahl abweicht). Leicht ist also nach Zerzoulis das, was ein Minimum an Schwere hat, nicht aber ohne jede Schwere ist. So ist von der Schwere das Schwere zu unterscheiden; man kann also nur von Dingen, die mehr oder weniger schwer sind, nicht aber von größerer oder geringerer Schwere sprechen. Die Schwere sei jedoch bei allen Körpern gleich, wenn man sie im leeren Raum sein läßt. Dorotheos benutzt bei seiner Argumentation mehr Syllogismen. Er wendet sich immer wieder scharf gegen den Bezug auf die Empirie in der philosophischen Erörterung (seine Gegner nennt er εμπειροφιλόσοφοι) und ist auch gegenüber der Mathematik sehr mißtraurisch. Sein Hauptanliegen ist zu zeigen, daß das Leichte kein reines Denkgebilde ist, sondern eine Eigenschaft und Form, sonst müßte man auch die Existenz von anderen nicht wahrnehmbaren Wesenheiten (Natur, Gott, Engel, Nous, Seele usw.) leugnen. In diesem Zusammenhang wendet sich Dorotheos gegen Zerzoulis΄ Kritik an der Lehre von den Qualitäten und den wahrnehmbaren Dingen. Festzuhalten ist, daß er — wie er sagt — nur gegen wenige und nicht gegen alle Modernen zu Felde zieht, vor allem aber gegen diejenigen seiner Landsleute, welche «die Europäer» verehren und sie falsch interpretieren. Unverkennbar ist jedoch der Eindruck, den seine Apologie im ganzen erweckt, nämlich daß er trotz der Fülle des Wissens und eines Scharfsinns um eine verlorene Sache geht, wie einunbekannter Benutzer der Athener Handschrift X.A.E. 51 treffend glossiert hat(ο πόνος σου έωλος, φίλτατε Δωρόθεε …). Aus dem hier präsentierten Disput um das Schwere und das Leichte geht schließlich hervor, daß keiner von den Beteiligten daran zweifelte, Aristoteles habe ein absolut Leichtes gelehrt. Sie wagten also nicht eine Interpretation, wie sie heute von Cherniss oder Guthrie vorgenommen wird (κουφόν sei nach Aristoteles «what is relatively light»). Siehe den soeben von D. O΄Brien veröffentlichten Aufsatz in «Journal of Hellenic Studies» 97 (1977) 64-74.

Επετηρίδα

Ιστορία της Φιλοσοφίας
Νεότερη Φιλοσοφία
Δωρόθεος Λέσβιος
Αριστοτελική Φιλοσοφία
Νικόλαος Ζερζούλης


1977

Text

German
Greek



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